Fast jeder kennt es: Es pfeift, summt oder brummt im Ohr und verschwindet nach wenigen Sekunden wieder von selbst. Das ist noch kein Grund zur Sorge. Doch was, wenn die Ohrengeräusche bestehen bleiben oder immer wieder auftreten und den Alltag beeinträchtigen? In diesem Artikel erklären wir, was Tinnitus ist, welche Ursachen dahinterstecken können und welche Möglichkeiten es gibt, besser damit umzugehen.
Wie stark der Tinnitus den Alltag belastet, erleben Betroffene sehr unterschiedlich. Deshalb unterscheidet man auch zwischen „kompensiertem“ und „dekompensiertem“ Tinnitus.
Kompensierter Tinnitus: Manche Betroffene empfinden keinen Leidensdruck („gut kompensierter Tinnitus“). Andere wiederum beschreiben den Tinnitus vor allem bei Stille als störend.
Dekompensierter Tinnitus: Ein Teil der Betroffenen erlebt die Ohrgeräusche als dauerhafte Beeinträchtigung, die teils zu einer massiven psychischen Belastung führt. Dann können Begleitbeschwerden wie Reizbarkeit, Konzentrations- und Schlafstörungen, Erschöpfung, Depressionen sowie Probleme in Partnerschaft, Familie und Beruf hinzukommen.
Wie häufig ist Tinnitus und wer ist betroffen?
Auch wenn sich ein Tinnitus grundsätzlich in jedem Alter entwickeln kann, so treten die Ohrgeräusche häufiger bei älteren Menschen und bei beginnenden Hörproblemen auf.
Laut dem Deutschen Ärzteblatt haben fast 25 Prozent aller Deutschen bereits einen Tinnitus erlebt.1
10 bis 15 Prozent der Menschen sind über einen längeren Zeitraum von einem Tinnitus betroffen.
3 bis 5 Prozent der Betroffenen haben einen behandlungsbedürftigen Tinnitus.
Was sind die Ursachen für einen Tinnitus?
Ohrgeräusche können viele Ursachen haben, so z. B.:
Lärm bei einem Konzert oder ein lauter Knall bei einer Explosion (Knalltrauma)
Mit Ohrenschmalz verstopfter Gehörgang
Chronische Mittelohrentzündung
Geplatztes Trommelfell
Hörsturz
Verknöcherung der Gelenke der Gehörknöchelchen (Otosklerose)
Gefäßerkrankungen
In über 90 Prozent der Fälle wird Tinnitus von einem (oft unbemerkten) Hörverlust begleitet. Das Hörzentrum versucht, den Hörverlust durch eine verstärkte Aktivität auszugleichen – dabei werden offenbar „Phantomgeräusche“ gemeldet. Es scheinen Parallelen zur Entstehung von Phantomschmerzen nach einer Amputation zu bestehen.
Auch Stress wird als möglicher Auslöser oder Verstärker von Ohrgeräuschen diskutiert, wobei die genauen Zusammenhänge unklar sind.
Hauptrisikofaktoren für die Entwicklung eines Tinnitus sind:
Ein neu aufgetretener Tinnitus sollte immer von einem HNO-Arzt abgeklärt werden. Denn eine frühzeitige Behandlung kann ausschlaggebend sein. Auch wenn es in den meisten Fällen nicht den einen „Schalter“ gibt, der das Ohrgeräusch komplett abstellen kann, lässt sich viel tun, damit der Tinnitus als weniger störend wahrgenommen oder komplett ausgeblendet werden kann.
Behandlung bei akutem Tinnitus:
Akute Ohrgeräusche sollen wie ein Hörsturz behandelt werden. In der Regel verordnet der Arzt eine Therapie mit Kortison.
Behandlung bei chronischem Tinnitus:
Bei chronischen Ohrgeräusche erfolgt eine Behandlung, wenn die Betroffenen den Tinnitus als störend oder beeinträchtigend empfinden. Dabei kommt es vor allem auf eine umfassende Aufklärung und Beratung (Tinnitus-Counselling) und verhaltenstherapeutische Ansätze an. Zentrale Bedeutung hat hier das Erlernen bestimmter Techniken, mit denen der Tinnitus so gut wie möglich ausgeblendet werden kann. Ziel der Behandlung ist eine langfristige Absenkung der Belastung durch eine Tinnitus-Gewöhnung (Habituation).
Falls ein Hörverlust festgestellt wird, sollte dieser mit Hörhilfen ausgeglichen werden.
Bei einem akuten Tinnitus verordnet der Arzt in der Regel eine Kortisonbehandlung. Wenn ein chronischer Tinnitus vorliegt, ist es oft nicht möglich, eine konkrete Ursache zu finden. Häufig stellt der Arzt in diesem Fall einen Hörverlust fest, der mit Hörhilfen ausgeglichen werden soll. Zusätzlich stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die darauf abzielen, den Tinnitus besser zu verstehen und ausblenden zu lernen. Ärzte sprechen in diesem Zusammenhang auch von „Tinnitus-Counselling“.
Manche Betroffene empfinden den Tinnitus als so belastend, dass er sich auch auf die Psyche auswirkt. Reizbarkeit, Schlaf- und Konzentrationsstörungen bis hin zu Depressionen können die Folge sein. Zudem vermutet man, dass Stress Tinnitus begünstigen oder verstärken kann. Die genauen Zusammenhänge sind noch nicht vollständig erforscht.
Wie kann ich Tinnitus akzeptieren?
Mithilfe einer sorgfältigen Aufklärung über Tinnitus in Kombination mit einer Verhaltenstherapie kann es gelingen, gut mit dem Tinnitus zu leben und die Ohrgeräusche so gut wie möglich „auszublenden“.
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Stand: zuletzt aktualisiert am 15.01.26
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ICD-Codes (International Classification of Diseases) sind weltweit anerkannte medizinische Verschlüsselungen für Diagnosen. Sie werden von Ärzt:innen verwendet, um Krankheiten und Gesundheitsstörungen eindeutig zu klassifizieren und
finden sich beispielsweise in Arztbriefen, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und Abrechnungen mit Krankenkassen.